Rom wird vor ihr erzittern.
Sehr spannender historisch basierter Fantasy-Roman mit mystischen Götterbiestern und magischen Elementen. Gelungen wird dargestellt und aus deren Sicht erzählt, wie unterdrückten Gruppen angehörige Personen machtvolle Positionen einnehmen und dabei zugleich immer wieder an patriarchal gesteckte Grenzen geraten. Hannibal ist hier eine Frau, die eng mit einem Sklaven zusammenarbeitet und sich ständig gegen Männer aus den eigenen Reihen zur Wehr setzen und behaupten muss. Eine junge Witwe in Rom wird zur Spionin. Eine genderqueere Monsterjägerin mit Pronomen sie, die nicht Mann noch Frau ist, greift ihre eigenen Reihen an, als bei einem Angriff sexualisierte Gewalt angewendet wird und stellt schließlich die eigene Macht, die sie über Götterbiester hat, in Frage. Und es gibt ein paar trans* Nebenfiguren.
Dabei werden hier keine außergewöhnliche (vermeintlich starke) Figuren dargestellt, die sich ihrer gesellschaftlichen Fesseln entledigen, um von ihrer neu gewonnenen Macht zu profitieren. Vielmehr geht es um die Frage, ob nicht andere befreiende und empowernde Wege möglich sind. Beim Lesen fand ich viele Parallelen zu heutigen Diskriminierungen von Frauen und queeren Menschen sowie zu Argumenten rund um Gewalt und Krieg und finde im Nachwort der Autorinnen, dass dies auch ihr Gedankengang war.
Über drei Jahre folgt der Roman den Protagonist*innen, den ich innerhalb von drei Tagen begeistert gelesen habe, weil er mich nicht losgelassen hat. (Rezi von Anton)
Inhaltswarnung: häufige Darstellung vieler Formen von Gewalt
Verlagsbeschreibung:
218 v. Chr: Feldherr Hannibal und die Armee Karthagos brechen auf, um Rom zu erobern. Doch statt Hannibal führt dessen Mörderin unter seinem Namen die Armee an, und sie entsendet ihre beste Monsterjägerin, die größten Bestien des antiken Mittelmeerraums zu unterwerfen. Nicht nur von Elefanten, sondern auch von Sphinxen, Harpyien und anderen mythischen Kreaturen verstärkt, greift Hannibal Rom an – und sie setzt dabei alles auf eine Karte.
Ein phantastisches modernes Retelling antiker Geschichte, das viele aktuell relevante Fragen aufwirft: Was gilt als monströs? Wie wird Macht über Heere, Menschen und Monster ausgeübt? Und was bedeutet Krieg für die Menschen – über die Bewegungen und Begegnungen von Heeren hinaus?
Weitere Bücher von Judith und Christian Vogt gibt es hier. Außerdem ist Judith Vogt Mitherausgebende der regelmäßig erscheinenden Zines Queer*Welten.