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Queere jüdische Gedichte und Geschichten

Buch

  • Text/Illustrationen: Janin Afken & Liesa Hellmann (Hg.)
  • Softcover, 238 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Hentrich & Hentrich
  • Artikelnummer: Ru-978-3-95565-614-0
  • ISBN: 978-3-95565-614-0
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in homosexuellen Zeitschriften zwischen 1900 und 1932

transfabel meint:In dieser Anthologie wird erneut deutlich, dass weder Queerness noch Transgeschlechtlichkeit ein Phänomen der letzten paar Jahrzehnte ist, sondern weit über diese Zeit hinaus schon existiert hat. Besonders an diesem Buch ist aber, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch die Überschneidung von queeren und jüdischen Identitäten, die oft leider übersehen wird, sichtbar zu machen. Es wurden Gedichte, Texte, Berichte, Geschichten und sogar Kontaktanzeigen aus queeren und/oder jüdischen Zeitschriften aus den Jahren 1900 bis 1932 gesammelt, um queeres jüdisches Leben aus dieser Zeit zu schildern. Zu jedem Text gibt es noch einmal Anmerkungen von den Herausgeber*innen, die (falls gegeben) zu den Autor*innen und Zeitschriften Hintergrund geben, biblische Anspielungen und deren queere Lesart erläutern oder auch generell Background zu der Entstehungszeit geben. So finden sich zum Beispiel auch Texte von und über Magnus Hirschfeld, einer der wichtigsten Aktivisten der queeren Bewegung in der Weimarer Republik, der auch mithalf trans* Patient*innen Zugang zu rechtlicher Anerkennung und medizinischer Transition zu verschaffen.
Eine besonders spannende Geschichte namens „Frida geht aus!“ kann aus heutiger Sicht als T4T Story zwischen einer trans maskulinen und trans femininen Person gedeutet werden. Da die Quelltexte alle schon über ein Jahrhundert alt sind, muss allerdings eine Trigger Warnung zu sehr veralteter Sprache gegeben werden. Verständnisse von Queerness, die für die damalige Zeit als fortschrittlich und revolutionär galten, würden wir heute als homophob, trans- und interfeindlich einstufen. Dennoch verhandeln viele der Texte die vermeintliche Binarität von Gender und wie repressiv diese ist.
Spannend an dem Buch ist auch, einen Einblick in eine Zeit zu gelangen, die von zwei Weltkriegen geprägt war und dem damit verbundenen Faschismus, und zu sehen wie queeres und jüdisches Leben trotz all dieser Gewalt und Vernichtung versucht hat, sichtbar zu bleiben.
Definitiv ein Lesetipp für alle, die sich gerne mehr mit der Intersektion von queeren und jüdischen Identitären, insbesondere in der Zeit der Weimarer Republik bis zum 2. Weltkrieg beschäftigen wollen oder auch einfach nur für alle, die ein paar literarische Werke von und über Queers lesen wollen, die vor uns kamen und versucht haben, für ihr Recht einfach nur zu existieren, einzustehen.
CN: Homophobie, Transphobie, Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Ableismus (veraltete Sprache zu Gehörlosigkeit), Suizid -- Rezi von Jamie

 Verlagsbeschreibung:

In der Kaiserzeit und Weimarer Republik entstand die erste queere Subkultur der Welt und mit ihr eine diverse Zeitschriftenkultur, die eine nie dagewesene Fülle an queerer Literatur hervorbrachte. Jüdische Aktivist:innen, Schriftsteller:innen und Ärzt:innen prägten die homosexuelle Emanzipationsbewegung maßgeblich. Doch in den queeren Zeitschriften sind direkte Bezüge zu jüdisch-queerem Leben auffallend selten. Stets von Zensur bedroht, etablierten sich Codes wie die Farbe Lila, das Veilchen, der Freund und die Freundin, um tabuisierte und kriminalisierte Liebe zu erzählen. Auch Bezüge zum Judentum und Jüdischsein entfalteten sich oft nur in Andeutungen und Symbolen. Mal treten die biblischen Gestalten Esther, Joseph und Ruth als Vorfahr:innen queerer Lebensentwürfe auf, mal folgen die Geschichten ihren Protagonist:innen in die Bars, Fabriken und auch Synagogen der modernen Metropole Berlin. 

Die Anthologie versammelt erstmals eine Bandbreite an Texten aus homosexuellen Zeitschriften, die zwischen 1900 und 1932 erschienen und das Verhältnis von Queerness und Jüdischsein in den Blick nehmen. Die Geschichten, Gedichte und Artikel erzählen von Aushandlungsprozessen innerhalb der Bewegung, von den Bedrohungen durch eine von Homophobie und Antisemitismus geprägte Gesellschaft, aber immer auch von den utopischen Räumen, die Literatur zu schaffen vermag.

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