Die Zwillinge Ali (kurz für Alissa) und Anton wandern in ihrer Kindheit von Moskau nach Berlin aus. Die Veränderungen und das Mobbing an der Schule gegen sie als Russ*innen und Jüd*innen schweißt die Zwillinge immer näher zusammen, doch Familienzwist entfernt sie auch voneinander. Kein Buch fürs gelegentliche Lesen, es sei denn mensch hat ein gutes Gedächtnis: Es werden immer wieder neue Charaktere eingeführt. Durch die Geschichten der Ur/Groß/Eltern, lernen wir nicht nur die Hauptperson Ali besser kennen. Identität wird in vielerlei Hinsicht thematisiert, einschließlich Alis Geschlechtsidentität: Alis Suche nach Anton in Istanbul, wo Anton als Erwachsener hinverschwunden ist, wird zur Suche nach der eigenen Identität. Spannend. (Rezi von Anton)
Verlagsbeschreibung:
Wer sagt dir, wer du bist? Davon und von der unstillbaren Sehnsucht nach dem Leben selbst und seiner herausfordernden Grenzenlosigkeit erzählt Sasha Marianna Salzmann in ihrem Debütroman Außer sich. Intensiv, kompromisslos und im besten Sinn politisch.
Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht.