Die Geschichte von Greg / Gloria Hemingway, dem "Lieblingskind" von Ernest Hemingway beginnt 1931 in Kansas City und endet 2001 in einem Frauengefängnis in Miami. Dazwischen liegt ein Leben, das faszinierend ist und eine fesselnde Romanhandlung abgibt, fünf Ehen, acht Kinder, eine Karriere als Arzt und eine als Schriftsteller. Russel Franklin liefert uns aber nicht nur die historisch belegten Fakten, sondern bietet einen berührenden Einblick in Gregs / Glorias Gefühle und Gedanken. Als Kind auf Kuba, das nichts mehr will, als dem überlebensgroßen Vater zu gefallen und später als getriebene, zerrissene Persönlichkeit, die versucht mit Elektroschocktherapie die manischen und depressiven Phasen zu bekämpfen.
Ich bin Hals über Kopf eingetaucht in dieses Leben voller Tragik und Schmerz und Suff und Bruderliebe und kurzen Momenten der Euphorie und des Friedens. Russel Franklin erzählt bildgewaltig und es gelingt ihm, die Komplexität der (sich wandelnden) Geschlechtsidentität der Hauptfigur einzufangen. Die Geschichte ist nicht linear erzählt und entsprechend fließt die Handlung nicht chronologisch, aber wir bleiben durchgängig in der Perspektive von Greg / Gloria und kommen diesem komplexen Charakter so nah, dass es manchmal schwerfällt, sich daran zu erinnern, dass das hier ein Roman ist und keine (Auto-) Biografie. (Rezi von Ulla)
Verlagsbeschreibung:
Der junge Greg ist athletisch, talentiert, klug, hübsch und Ernest Hemingways Lieblingssohn. Unter dem ständigen Druck, dem Vater zu gefallen, stellt Greg seine Wünsche und die drängenden Fragen nach der eigenen Identität zurück. Doch Jahre später – 1951, Greg ist Anfang zwanzig, studiert Medizin, heiratet, wird Vater – brechen sich die unterdrückten Sehnsüchte Bahn. Greg beginnt, gegen alle damaligen Konventionen, in der Öffentlichkeit Frauenkleidung zu tragen. Im bewegten Leben zwischen Havanna, Los Angeles, New York und Miami entsteht eine unaufhaltsame Spirale aus unglücklichen Beziehungen, Abstürzen, enttäuschten Erwartungen und unterdrückten Gefühlen, bis Greg sich endlich der persönlichsten Frage überhaupt stellt: Wer bin ich? Greg oder Gloria?